Spezifische Symptome, wie Appetitsteigerung und erhöhtes Schlafbedürfnis lassen sich durch diesen Ansatz erklären. Dieter Kunz ist Chefarzt einer Klinik für Schlaf- und Chronomedizin und benannte auch den Zusammenhang zwischen gesteigertem Appetit in den Wintermonaten.

Evolutionär lässt sich die Winterdepression also eindeutig erklären. Trotzdem sind nach einer amerikanischen Studie nur 5 Prozent der Bevölkerung von einer Jahreszeitabhängigen Stimmung betoffen. Wie kann das sein? Dies konnte die Medizin bis heute nicht eindeutig beantworten. Heute wissen wir jedoch, dass Winterdepression mit unseren inneren Uhr verknüpft ist. Durch mangelnde Lichteinwirkung müssen wir unsere innere Uhr umstellen. Dies gelingt mal besser, mal schlechter. Die Folge ist für einige Menschen eine saisonal abhängige Depression. 

„Die saisonal abhängige Depression ist ein Überbleibsel des Winterschlafs beim Menschen.“ (Dieter Kunz, Chefarzt)

Was passiert im Gehirn?

2002 konnte erstmals durch britische und amerikanische Forscher ein lichtempfindlicher Rezeptor gefunden werden, der dem Gehirn signalisiert, ob die Sonne scheint. Die Netzhaut leitet den visuellen Reiz weiter und regt das Protein Melanopsin an. Es wurde beim Menschen in den Nervenzellen des Auges entdeckt. Dort ist es zuständig die Umgebungshelligkeit wiederzugeben. Von dort wird das Signal weitergleitet bis zur Schaltzentrale der inneren Uhr (Suprachiasmatischen Nucleus). So wird das Licht ein entscheidener Faktor für die Justierung unserer inneren Uhr. Zu wenig Licht führt dazu, dass wir müde und träge werden. Deswegen tritt Winterdepression häufig bei Personen auf, die weit weg vom Äquator leben. Dort fällt die Zahl der Sonnenstunden im Winter besonders gering aus. 


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